• Susanne

    Testlebenslauf von Heinz Erhardt #2:

    Ich war von frühester Jugend an allein. Selbst als ich geboren wurde, war ich allein. Meine Eltern waren gerade auf dem Acker und holten Kartoffeln. Der Acker war zwar nicht von uns, aber wir holten immer unsere Kartoffeln da. Dem Manne, dem der Acker gehörte, machte das nichts aus, denn er war sehr reich. Das sah man schon daran, daß er ein Haus mit eingebauter Eieruhr hatte, denn wozu brauchen Eier zu wissen, wie spät es ist.

    Wir waren zu Hause drei Brüder. Alle hießen Max, nur der Otto hieß Wilhelm. Als ich größer wurde, kamn ich in die Schule. Leider war der Lehrer sehr dumm. Er wusste gar nichts. Und alles, was er nicht wusste, fragte er mich. Aber ich habe ihm nie etwas gesagt. Also, ohne Übertreibung kann ich von mir sagen, daß ich immer der erste war – auf dem Heimweg! Morgens kam ich meist zu spät, dafür durfte ich aber mittags länger bleiben. Einmal wollte unser Lehrer von mir wissen wieviel die Hälfte von 13 sei. Da ich es nicht wusste, sagte ich, viel könne es nicht sein!

    Als ich meinen Kinderschuhen entwachsen war, kauften mir meine Eltern ein paar neue. Außerdem begann für mich die Lehrzeit. Mir war zwar noch nicht ganz klar, was ich den werden wollte, aber schließlich kam ich zum Fleischer. Also, was der Kerl nicht alles in die Wurst getan hat! Als ich einmal zu ihm sagte Wenn das rauskommt, was da rein kommt, dann kommen Sie rein und nie wieder raus! Da durfte ich mir eine andere Lehrstelle suchen. Nun kam ich zu einem Schmied. Er gab mir einen großen Hammer, führte mich zu einem Amboß und sagte Jedesmal, wenn ich mit dem Kopf nicke, haust du drauf, aber er hat nur einmal genickt.

    Nach seiner Beerdigung trat ich in die Lehre als Kaufmann ein. Da blieb ich aber nicht lange. Eines Tages bekam ich einen Krampf in die Hand, ausgerechnet dann, als sie sich in der Ladenkasse befand. Mein Prinzipal musste mich falsch verstanden haben, denn er drückte mir beide Daumen ins Gesicht und sagte, ich würde mich zu diesem Beruf nicht eignen.

    In meiner Jugend schwärmte ich schon immer für Bilder. Also ging ich zu einem Fotografen. Da blieb ich aber auch nicht lange. Der Kerl fixierte mich dauernd. Außerdem behauptete er, ich sei in meiner Jugend zu wenig belichtet worden, und man habe mir eine falsche Birne eingeschraubt.

    Mittlerweile wurde meine künstlerische Natur geweckt. Ich ging zur Bühne. Dort hatte ich nur tragende Rollen zu spielen. Ich musste regelmäßig zwei Eimer Wasser über die Bühne tragen. Das war mir natürlich zu wenig. Darauf lenkte mein Direktor ein, daß ich jetzt immer drei Eimer Wasser über die Bühne tragen dürfte.

    Einmal war es mir schon den ganzen Tag schlecht. Deshalb nahm ich einige Kognaks zu mir. Es waren nur 36 Stück. Als ich abends vor dem Direktor stand, kam mir plötzlich das ganze Essen auf den schönen blauen Anzug. Er schrie mich an Sie Schwein! Das konnte ich mir natürlich nicht gefallen lassen. Ich sagte ihm Wenn ich ein Schwein bin, dann sehen Sie sich erstmal selber an und sagen mir, was Sie sind! Aber die meisten Menschen können die Wahrheit nicht vertragen. Jedenfalls habe ich keine Stelle mehr angenommen.

    Dann habe ich meiner künstlerischen Neigung freien Lauf gelassen und bin ein Dichter geworden. Ich habe viele Gedichte gemacht. Ich gestatte mir, eins vorzutragen:

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    Der Baum

    Der Baum hat Äste,
    das ist das Beste,
    denn wär er kahl,
    dann wärs nur ein Pfahl!